Mauerfall killt Russisch-Klausur
Erinnerungen an den 9. November 1989 und seine Folgen, eine Football-Premiere und ein Haus voller Podcasts
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1. Der Mauerfall am 9. November 1989
50, ach was, glatte 100 Jahre werde die Mauer noch stehenbleiben, fabulierte der damalige DDR-Staatschef Erich Honecker noch im Januar 1989.
Und wahrscheinlich konnten sich zu diesem Zeitpunkt wirklich nur wenige, sehr optimistische Menschen vorstellen, dass das Betonungetüm samt Grenzsoldaten, Stacheldraht, Minen und Selbstschussanlagen nur Monate später für immer passé sein sollte.
Das ist sofort und unverzüglich
War aber so. Den letzten Schubser für den Fall der Mauer gab wohl Günter Schabowski mit seinem legendären „Das tritt nach meiner Kenntnis … ist das sofort – ,unverzüglich‘.“ Im Rahmen einer Pressekonferenz hatte der damalige Regierungssprecher über die Möglichkeit gesprochen, dass Bürgerinnen und Bürger der DDR künftig anlasslose Privatreisen ins (auch westliche) Ausland machen könnten.
In eigener Sache
Die New-New-Wave-Band Parc de Triomphe hat ihr Debüt-Album „Parc de Triomphe” herausgebracht – und es ist wirklich gut geworden. Und es passt natürlich super zum Anlass. Denn auf dem Album wird auch DDR-, Wende- und Nachwende-Geschichte verhandelt – in eindrucksvollen Texten.
Ende der Werbeeinschaltung
Nach seinem gegen 19 Uhr gesprochenem Satz und entsprechenden Meldungen der Nachrichtenagenturen gab es kein Halten mehr. Die Top-Meldung der Tagesschau um 20 Uhr lautete: „DDR öffnet Grenze“. Wie mittlerweile in zahlreichen Dokumentationen und Filmen gezeigt, brachen spätestens um Mitternacht aufgrund der vor den Grenzübergängen versammelten Menschenmengen alle Dämme – die Mauer war „weg“.
Wo warst du beim Mauerfall?
Ich gehe einmal davon aus, dass sich die meisten Menschen in Ost und West noch genau daran erinnern können, wo sie waren, was sie gemacht haben, als sie vom Mauerfall erfahren haben. Ich würde mich freuen, wenn du diese Erfahrungen hier mit der D.R.O.B. Community teilst.
Ich habe leider keine allzu genauen Erinnerungen an diesen Tag. Ich bilde mir ein, dass ich von der berühmten Pressekonferenz noch am Abend des 9. November aus den Nachrichten erfahren habe. Mir war aber die Tragweite gar nicht so bewusst, glaube ich. Ich war damals 12 Jahre alt und wusste nur, dass ich am nächsten Tag in die Schule gehen musste.
Du West-Berliner Pflanze
So richtig klar darüber, dass die Mauer tatsächlich offen war, wurde ich mir erst am nächsten Morgen, als ich den Vater meines Schulkumpels traf. Er hatte Kaffee, Schokolade und eine Pflanze dabei, die er in West-Berlin gekauft hatte. Und noch heute treibt mich die Frage um, warum er sein Begrüßungsgeld ausgerechnet für eine Pflanze geopfert hatte.
Gedenkstätte Berliner Mauer, Bernauer Straße. (Foto: Boy, Berlin)
Ich hätte mir auf jeden Fall Coca-Cola gekauft, einen Walkman oder einen Kassettenrekorder und natürlich Comics, die Bravo und Musik. Mehr zu meiner – aus heutiger Sicht seltsam erscheinenden – Coca-Cola-Verehrung liest du hier:
Coca-Cola und Anarchie
In dieser Rubrik findet ihr Geschichte(n) aus den Jahren 1989/90 in der DDR sowie der Nachwendezeit und der sogenannten Baseballschlägerjahre. Es handelt sich ausschließlich um Ereignisse, die ich selbst so oder so ähnlich erlebt habe. Viel Spaß beim Lesen und gerne kommentieren oder eigene Erfahrungen teilen!
Noch genauer in Erinnerung ist mir der folgende Samstag, also der 11. November. Während am Freitag nämlich noch fast alle Kameraden und Kameradinnen aus meiner Klasse in der Schule erschienen waren, hatten sich für den Samstag viele „frei genommen“. Das war insofern von Bedeutung, als dass tatsächlich die halbe Klasse fehlte – und wir deswegen die für Samstag angesetzte Russisch-Klausur nicht schreiben mussten.
Einmal keine Russisch-Klausur, bitte
Ich weiß noch, dass eine oder einer aus dem verbliebenen Häuflein an die Tafel schrieb, dass 14 oder 15 Schülerinnen und Schüler fehlten und daher die Klausur doch ausfallen müsste. Was dann auch geschah.
Eine Chronik zum Fall der Berliner Mauer, inklusive Hintergründen und Vorgeschichte findest du hier.
2. NFL mietet sich in Berlin ein
Das Gedenken an den Mauerfall wird am 9. November 2025 in Berlin derweil von einer ganz anderen Attraktion überstrahlt. Erstmals findet in der – nicht mehr geteilten – deutschen Hauptstadt ein Spiel der NFL statt. Um 15:30 Uhr treffen im Olympiastadion die Indianapolis Colts und die Atlanta Falcons aufeinander. Schon seit Tagen scheint die Stadt auf dieses Ereignis hinzufiebern – oder liegt das nur an der alles überwältigenden PR-Kampagne?
NFL in Berlin: Indianapolis Colts vs. Atlanta Falcons. (Bild: NFLDeutschland)
So weist ein 1.000 Quadratmeter großes Wandgemälde am S-Bahnhof Savignyplatz ebenso auf das NFL-Spiel hin wie der 1.000 Quadratmeter große NFL-Store The Playce am Potsdamer Platz. Darüber hinaus haben weitere NFL-Teams Pubs und Läden in der Stadt übernommen, um mit ihren Fans zu feiern. Es gibt eigens einen NFL-Döner, Public-Viewing-Areas und Fan-Zones.
Eine gute Übersicht über alles, was mit dem NFL-Ereignis in Berlin zu tun hat, findest du in diesem Tagesspiegel-Artikel.
RTL überträgt NFL-Game live
Eines wirst du allerdings kaum noch finden – nämlich Karten für das NFL-Game im Olympiastadion. Das reguläre Angebot für die 75.000 verfügbaren Plätze ist schon lange weg und nur noch überteuerte Reseller-Karten zu haben. Leider ist auch die in der Uber Eats Music Hall veranstaltete Watch Party von RTL schon ausverkauft. RTL überträgt das Spiel aber live.
3. House of Podcasts mit Grönemeyer und Olli Schulz
2024 kamen 3.000 Gäste, um sich live einige der beliebtesten Podcasts der gesamten ARD anzuhören. Vom 14. bis 16. November 2025 findet jetzt eine neue Ausgabe des House of Podcasts statt – und zwar im Haus des Rundfunks in der Berliner Masurenallee.
Erstmals live und auf großer Bühne kannst du Anja Caspary mit ihrem Format „Berlin Sounds Inside“ erleben. Caspary hat sich prominente Unterstützung geholt – als Gast ist Herbert Grönemeyer angekündigt.
Spannend finde ich auch „Crime History“. In diesem Podcast erzählen Janna Falkenstein und Florian Prokop über wahre Kriminalfälle aus dem Berlin der 1920er- und 30er-Jahre. Enthalten sind: Serienmörder, Nackttänzerinnen, Hochstapler, Panzerknacker, Bombenleger und Gentleman-Gauner.
Die fabelhaften Boomer-Boys
Zuhören heißt es meiner Meinung nach auch, wenn die fabelhaften Boomer-Boys Oliver Kalkofe und Oliver Welke ihren Podcast „Kalk und Welk“ live präsentieren. In der diesjährigen Live-Show schauen Olli Schulz und Hennes Bender vorbei.
Schon ausverkauft ist übrigens der Podcast „Kim und Klaus“, in dem TV-Moderatorin Kim Fisher und Berlins Ex-Bürgermeister Klaus Wowereit über Themen sprechen, die sie bewegen. Wie läuft es wirklich hinter den Kulissen von Politik und Show-Welt? Was ist in der großen weiten Welt so los? Die beiden haben zu jedem Thema eine Meinung.
Ausverkauft: Podcast „Kim und Klaus“. (Bild: RBB)
Du willst Eintritt ins House of Podcasts? Hier gibt es noch Karten.
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